Eine Geschwisterreise nach Edinburgh

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Vor vier Jahren überlegte ich mir als große Schwester und Patentante, was ich meiner kleinen Schwester und meinem kleinen Bruder, die gemeinsam Konfirmation feierten, wohl schenken könnte. Geld? Zu unpersönlich. Schmuck? Verschwindet irgendwann. Bibel? Schenkt schon die Oma. Nein, es sollte etwas besonderes sein, etwas, woran sie sich auch später noch erinnerten. Also schenkte ich ihnen eine gemeinsame Reise und all die dazugehörigen, unvergesslichen Erinnerungen. Wir flogen damals gemeinsam nach London und reisten auf Harry Potters Spuren mit dem Zug nach Oxford. Und dann saßen wir am dritten Tag in einer nach Frittenfett riechenden Hostelküche und beschlossen, unserem Nesthäkchen irgendwann ebenfalls einen Städtetrip zu schenken. Rom, Paris, Dublin wurden in den Topf geworden, und schließlich einigten wir uns auf Edinburgh. So richtig weiß ich selbst nicht mehr, wie wir darauf kamen, aber dann war es beschlossene Sache und wir freuten uns 4 Jahre lang auf Schottland (und hatten unsere Mühe, uns nicht zu verquatschen, es sollte ja schließlich eine Überraschung werden). Nun wusste ich ja vor 4 Jahren noch nicht, dass ich dafür ein süßes 10 Monate altes Augustinchen zuhause beim Papa lassen müsste – hach, war der Abschied schwer. Augustinchen saß im Hochstühlchen und mampfte ihren Bananenhaferflockenbrei, ganz verwundert darüber, dass die Mama so sentimental ist und ihr jede Minute ein Küßchen gibt. Klammheimlich schlich ich mich dann mit meinem Köfferchen aus der Wohnung – Tür zu, Tränen runterschlucken und ab zum Zug nach Berlin, wo ich dann auf meine Geschwister traf.

Bei strömenden Regen wurden wir von Mama zum Flughafen gefahren, die uns zuvor schon mit dem Kommentar `Wenn dieser Flieger abstürzt, bin ich auf einem Schlag kinderlos` nervös gemacht hatte und von uns mit rollenden Augen und einem strengen `Mama` abgestraft wurde. Vorbei am superunfreundlichen Security Check in Berlin-Schönefeld (hüstel) und ab gings, für unser Nesthäkchen übrigens der erste Flug! In Edinburgh angekommen ging es zu unserer Ferienwohnung (klick), die wir über 9flats.com gebucht hatten und die anders als unser Kellerloch in London von vor 4 Jahren über ein eigenes Bad, Küche und ein supergemütliches Wohnzimmer verfügte, auf dessen Sofas man sich nach einem anstrengenden Sightseeing-Tag schmeißen konnte. Nun wollte es das Schicksal, dass am ersten Abend unsere deutsche Fußballnationalmannschaft gegen Brasilien spielte und wir uns das Spiel in der Sportsbar bei Nachos und Maccaroni Cheese anguckten – zusammen mit ganz vielen lustigen Schotten, die bei jedem Tor der deutschen Mannschaft feierten. Was für ein Start!

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Die nächsten drei Tage erkundeten wir Edinburgh entlang des idyllischem Water of Leigh, einem kleinen Bach mitten durch die Stadt, wir staunten und wunderten uns in der Gallery of Modern Art (highly recommended und kostet noch nicht mal Eintritt), schwitzten auf dem Weg hinauf zum Castle, knabberten unterwegs Short Bread, kühlten unsere Füße im Wasser der Nordsee am Strand von Portobello, erklommen bei schönsten Sonnenschein Arthurs Seat, einem Berg mitten in der Stadt, schlenderten durch die kleinen Gassen und Straßen der Altstadt, hier Closes genannt und verirrten uns im Labyrinth des Scottish National Museum.

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An unserem letzten Abend saßen wir geschafft und mit schmerzenden Füßen auf der Couch und schauten amerikanische Comedy-Serien (ich war zu schlapp, um kulturpädagogisch auf regional-britisches Fernsehen zu bestehen, Hauptsache Englisch, ne?) und es kam schon der schwache Einwurf meines Bruders, vielleicht doch einfach zuhause zu bleiben. Zum Glück rappelten wir uns doch noch auf, nahmen den Bus in das 10-Minuten entfernten Viertel Broughton, laut Reiseführer DAS Szeneviertel und setzten uns bei über 20 Grad vor das ‚Olive Branch‘. Nachdem es die Tage zuvor nur ‚bowls of chips‘ und homemade pasta aus unserer Ferienwohnungsküche gab, ließen wir es uns noch einmal richtig gutgehen. Glücklich und mit vollem Magen stiegen wir auf den Calton Hill, ein wundervoller Ort, um den Sonnenuntergang über Edinburgh zu genießen.

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Und trotz der ein oder anderen Zankerei um leere Colaflaschen und Chipspackungen im Wohnzimmer oder die Pärchendecken, die geteilt werden mussten, war es sicher ein Konfirmationsgeschenk, was wohl nie vergessen wird – ach, und auch ohne anstehende Konfirmationen ist die Geschwisterreise 3.0 schon geplant…als Orte wurden New York, Rom, die schottischen Highlands und ‚irgendeine südliche Insel‘ nominiert. Vielleicht habt ihr ja auch noch lustige Vorschläge?

Adieu und bis bald,
Eure Uschi

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Reisen mit Baby – was wir in Sachen Fliegen, Strand und Wandern alles dazugelernt haben

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Kennt ihr diese Sprüche wie „Genießt euren Urlaub zu zweit, bevor dann das Baby kommt!“ und „Mit einem Baby verändert sich alles!“ oder „…und dann waren wir in einem Familienclub, wo man die Kinder abgeben konnte, total toll!“ Und man lächelt und nickt und fragt sich, wird sich auch bei uns was ändern? Und was jetzt eigentlich konkret? Warum genau kann man denn eigentlich nicht mehr so reisen wie früher?

Ich hatte das Thema ja vor ein paar Wochen schon mal angeschnitten (klick) und erzählt, dass wir uns in unserer Reiseplanung schon ein wenig angepasst hatten. Aber im Grunde war der Plan ja der, unser Ding durchzuziehen, nur dann halt mit Baby. Und ich muss zugeben, ja, so gewisse Sachen sind einfach anders… hier habe ich einfach mal kurz meine Beobachtungen und „wieder was gelernt“-Erfahrungen für euch zusammen  gefasst.

Koffer packen

Unsere Airline erlaubte uns 20kg pro Person, also, Augustinchen zählte hier auch als Person, obwohl sie als Baby unter 2 Jahre noch keinen Sitzplatzanspuch hatte. Das heißt, wir durften 60 kg inklusive Kindersitz und Buggy als Sperrgepäck mitnehmen. Klingt viel. Ist auch viel. Braucht man aber auch. Weil so ein Baby sich ja ständig vollspuckt, nasssabbert usw. nimmt man doch den ganzen Stapel Bodys und Spucktücher mit. Sicher ist sicher. Falsch gepackt habe ich trotzdem. So voller Sommervorfreude hatte ich ganz viele kurze Hosen und so niedliche kurzärmelige Einteiler eingepackt. Letztendlich habe ich Augustinchen aber am liebsten Baumwollleggins und dünne langärmelige Blusen angezogen, ganz einfach, weil das am besten zum Krabbeln war und außerdem vor der Sonne schützte. Achja, und ich hatte viel zu viel Spielzeug dabei – am liebsten hat das Baby nämlich mit Ameisen, Steinen und einer Schale voll Wasser gespielt. Als ganz praktisch hat sich allerdings ein Bilderbuch mit Tieren erwiesen, dass uns so manchen Abend im Restaurant gerettet hat.

Security Check

Was hier auch nicht unerwähnt bleiben soll zum Thema „Na, aber was ist denn jetzt so anders beim Reisen mit Kind?“ ist der Security Check. Also, man stelle sie sich vor, der Junomann, die Uschi und das Baby, wobei die ersteren Wanderbotten anhaben, weil die Schuhe ja so viel wiegen und nicht mehr in den Koffer passten. Und dann noch ein Buggy, eine Wickeltasche, Uschis Handtasche, Junomanns Rucksack, achja, und zusätzlich so ein Handgepäckkoffer auf Rollen,den wir unauffällig mit durchwurschtelten, weil wir…ja…ich erwähnte es, keinen Platz mehr in unseren Koffern hatten. Der Junomann fängt also an, kleines Köfferchen auf’s Band, Gürtel aus, Laptop aus dem Rucksack kramen und in die Wanne legen, den Buggy zusammenklappen und auf ´s Band legen…durch den Metalldetektor laufen und natürlich wegen der Wanderbotten piepen, diese also ausziehen (das sind so ganz fiese, mit mehreren Ösen, wo man die Schnürsenkel kreuzen muss) und noch einmal durchlaufen. Parallel dazu die Uschi, wie sie das Baby aus dem Buggy nimmt, die Handtasche auf’s Band packt, darin die halbvolle Wasserflasche entdeckt, versucht, diese in wenigen Schlucken zu leeren, es nicht schafft und dem Junomann hinhält, der gerade seinen ersten Gang durch den Metalldetektor plant, dann die Wickeltasche auf das Band legt, die durchsichtige Tasche mit den Babycremes, die Schnabeltasse (gefüllt mit Wasser, ja, diesmal ist es ungefährliches Wasser) und ein Gläschen Babybrei herauskramt und in die Wanne legt, alles einarmig, weil ja das Baby getragen wird, dann durch den Metalldetektor läuft, trotz Wanderbotten NICHT piept, haha, und dann darauf wartet, dass der Junomann seine Schuhe wiederzuschnürt, da sie einarmig den Buggy nicht wiederaufklappen kann, der mit all dem anderen Handgepäck aufgereiht das Band belegt und verhindert, dass das Gepäck der nachfolgenden Gäste geröntgt wird, die schon ganz genervt gucken. So, und wer danach nicht schwitzt, der kriegt von mir ’ne Limo ausgegeben! Aber hallo!

Fliegen

Das war ja eigentlich so meine größte Sorge. Wird mein Kind schreckliche Ohrenschmerzen haben? Und vor allem, wie sicher ist es, auf dem Schoß mitzufliegen? Nun, zum Thema Ohrenschmerzen und Druckausgleich hatte ich ja schon in meinem anderen Beitrag geschrieben, dass das unproblematisch war. Augustinchen hatte auf keine Weise gezeigt, dass ihr etwas weh tat, sie hat immer brav ihr Wasser getrunken und sich ablenken lassen. Das kann natürlich von Kind zu Kind anders sein, aber ehrlich gesagt habe ich auch von meinen Freundinnen, die mit ihren Babys geflogen sind, noch keine Horrorgeschichten diesbezüglich gehört.

Das mit dem Anschnallen war die andere Sache. Man bekommt also im Flugzeug einen Babygurt, der mit einer Schlaufe am eigenen Gurt (Loop-Belt) befestigt wird und damit wird das Kind dann angeschnallt. Sicher ist das Ganze damit aber leider nicht. Beim starken Bremsen bei Start- und Landung kann es sogar zu Quetschungen und inneren Verletzungen kommen. Eine Alternative wäre es, einen zusätzlichen Sitz zu buchen und das Kind in mitgebrachter Babyschale anzuschnallen. Dann bezahlt man aber nicht mehr die 10%, sondern den vollen Flugpreis, außerdem ist nicht jeder Kindersitz zugelassen. Puh… Eine Freundin gab mir den Tipp, die Babyschale mitzunehmen und dann darauf zu hoffen, dass eventuell ein zusätzlicher Platz frei sei und die Airline aus Kolanzgründen erlauben würde, das Baby in der Babyschale auf dem freien Platz anzuschnallen. Wir riefen sogar einen Tag vorher bei der Airline an und erkundigten uns diesbezüglich, wo man uns auch freundlich mitteilte, dass es die Möglichkeit gäbe und wir am besten bei der Gepäckaufgabe einfach noch mal fragen sollte. Was wir dann auch taten und uns eine Dame mit heruntergezogenen Mundwinkeln mitteilte, das Baby hätte keine Anspruch auf einen Sitz. „Naja…das wissen wir ja…aber wir dachten…vielleicht…wäre es ja…möglich…“ Nee, unser Anliegen wurde leider abgeschmettert, der Kindersitz als Sperrgepäck aufgegeben und wir „sicherten“ Augustinchen mit dem Loop-Belt. Ging ja glücklicherweise alles gut. Auf dem Rückflug saßen wir sogar in der ersten Reihe und uns wurde ein Bettchen angeboten, welches nach dem Start an die Wand montiert wird. Und ich wollte es selbst kaum glauben, aber es wurde sogar genutzt! Augustinchen kuschelte sich in ihr Nestchen und schlief fast den kompletten Flug. Gibt es aber leider nur für Kinder bis 11kg. Schade.

Strand und Sonne

Also, in unserem alten Leben, da ging man zum Strand, legte eine Decke in den Sand, guckte eine Weile auf’s Meer und wenn es dann irgendwann zu warm wurde, ging man gemeinsam ins Wasser und schwamm zur gelben Boje. Danach legte man sich nass auf das Handtuch, ließ sich von der Sonne trocknen und las dann ein weiteres Kapitel aus dem spannenden dänischen Krimi. So, und was ist jetzt mit Baby so anders? Man kommt also am Strand an und checkt erst mal die Lage. Wie steht die Sonne? Wo wird sie in einer Stunde stehen? Kommt der Wind aus Nordosten? Wird die Strandmuschel dem Wind stand halten? Wo gibt es Schatten? Spendet der Baum genügend Schatten oder sollte man sich einen Sonnenschirm mieten? Ja, ich weiß, das klingt furchtbar unentspannt und ich hätte auch nie gedacht, dass ich jemals so werde. Aber wer mit Baby am Strand sitzt und der Wind peitscht die Sandkörner in die zarte Babyhaut, der kauft sich eine spießige Strandmuschel. Und wer einmal bei knalliger Sonne in einer spießigen Strandmuschel sitzt, in der die Luft steht und das Baby quängelt, weil es schwitzt, aber nicht raus kann aus der Strandmuschel, weil der Sand so heiß ist an den Füßchen, der mietet sich einen Sonnenschirm. Achja, und zum Lesen bin ich leider auch nicht gekommen – spannender war es stattdessen, das Baby davon abzuhalten, Zigarettenkippen im Sand zu finden und diese in den Mund zu stecken. Und irgendwann, so beim dritten mal im Meer schwimmen, dachte ich mir, mmmhhh, irgendwas ist anders, es ist so langweilig irgendwie…bis mir einfiel, dass ich ja immer alleine im Wasser war. Klar, einer musste ja beim Baby sein. Das wurde aber alles wieder entschädigt von den kleinen Juchzern, die Augustinchen machte, wenn sie die Füßchen ins Wasser stecken konnte.

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Wandern

Wir hatten keine spezielle Wandertragevorrichtung, sondern eine einfache Babytrage aus Stoff, mit der sich der Junomann Augustinchen auf den Rücken geschnallt hat. Das ging ganz gut, war nicht sperrig und für kurze Wanderungen hat es seinen Zweck erfüllt. Der Nachteil war aber, dass das Baby danach immer komplett nassgeschwitzt war – wollte man also eine Pause machen und der Kleinen die Gelegenheit geben, sich die „Beine zu vertreten“, musste man immer einen oder mehrere Wechselbodys in der Tasche haben. Außerdem hielt es Augustinchen nie länger als 2 Stunden in dem Teil aus, danach beschwerte sie sich lautstark und wollte wieder frei sein. Damit fielen natürlich viele Routen für uns flach. Auf der Suche nach einer kurzen Wanderung fuhren wir das eine Mal mit dem Auto in eine etwa eineinhalb Stunde entfernte Region. Im Nachhinein war das aber doch nicht so schlau, da die Kleine den ganzen Tag passiv erst im Auto und dann auf dem Rücken saß und abends total unausgeglichen war. Also, Wandern mit Baby ist machbar, man muss halt nur einschätzen können, bis wann es dem Kind auch Spaß macht. Wir liebäugeln jetzt übrigens doch mit einer richtigen Rückentrage – hier gibt es von Eltern.de ein paar im Vergleich.

So, das war sie, meine Zusammenfassung aus der Rublik „Nichts wird so sein wie vorher“-Reisen! Und auch wenn sich das jetzt vielleicht total stressig und kompliziert angehört hat – es war eine wunderschöne Erfahrung, mit unserem Baby zu verreisen und ich kann Euch nur empfehlen – tut es auch!

Wie seht ihr das? Habt ihr ähnliche Erfahrungen gemacht? Oder spart ihr euch den Stress und entspannt die ersten Jahre lieber im eigenen Garten? In dem Buch von Liz Fraser „Ich bin dann mal zwei“ heißt es übrigens zum Thema Reisen mit Kind: „Warnung: Eine Wahrheit sollten sie tief und fest in ihrem Gehirn verankern, ehe sie auch nur darüber denken, mit ihrem Baby zu verreisen: Sie gehen nicht in den Urlaub. Sie überleben nur eine Weile an einem anderen Ort.“ In diesem Sinne…

Adieu und bis bald,
Eure Uschi

Uschi auf Kreta: Loutro und das Warten auf Pierce Brosnan

loutro von der fähre aus

Irgendwann geht auch mal der längste Urlaub zu Ende und plötzlich fallen uns so viele Dinge ein, die wir doch noch machen wollten. Unter anderem etwas nachholen, was wir beim letzten Mal Kreta nicht geschafft hatten – Loutro. Ein Ort, den man nur per Boot oder zu Fuß erreicht, denn es gibt dort keine Straßen oder Autos. Der Reiseführer beschreibt Loutro als verschlafenes Fischerdorf mit ca. 90 Einwohnern und etwa 50 Häusern, alle weiß mit blauen Fenstern. Voller Tatendrang und ohne große Erwartungen überlegten wir uns also, mit der Fähre dorthin zu fahren und zu übernachten – ein Kurzurlaub im Urlaub sozusagen.

Es geht morgens früh los, Wickeltasche, Bananen, Strandhandtücher und Zahnbürsten werden eingepackt, zum Frühstück gibt es was knuspriges Süßes vom Bäcker und dann geht’s mit Buggy und Kind auf zur Fähre, die zu unserer Überraschung recht leer ist. Nach drei Stunden fährt das Schiff eine scharfe Kurve und steuert Loutro an, das ganz versteckt in einer Bucht liegt. Die Häuser, tatsächlich alle weiß, sind im Halbkreis am Fuß der Berge angeordnet. Es fällt mir schwer, das Gefühl von Loutro in Worte zu fassen oder in Bildern einzufangen. Man fühlt sich wie auf einer einsamen Insel, irgendwie isoliert. Man kommt mit der Fähre und geht mit der Fähre, man ist automatisch verbunden zu den anderen Reisenden, läuft sich mehrmals am Tag über den Weg.

Da ist der kleine Juri aus Österreich mit seiner Mama, der seine Hirseflocken mit Augustinchen teilt, der junge dunkehaarige Kellner, der die neuen Vorräte von der Fähre mit dem Karren abholt, der coole Josh mit Strohhut aus England mit Mama und Oma, der Kakadu Coco, der auch miauen kann, die lauten amerikanischen Jugendlichen mit Rollkoffern, von denen einer, warum auch immer, mit blankgezogenem Hintern an uns vorbei läuft, das deutsche ältere Ehepaar, das sich schweigsam mit dem Fernglas die Ziegen auf den Bergen anschaut, der alte Grieche, der italienisch mit uns redet und Christina, die Trödel sammelt, das Café neben der Anlegestelle besitzt und wirklich fast jeden Besucher mit Handschlag verabschiedet. Wir hatten uns vorgenommen, ein Hotelzimmer zu suchen, das direkt am Meer liegt. Dadurch, dass jedes Haus in Loutro quasi direkt am Meer liegt, war das ein Leichtes. So wie dann also auch jedes Café, jede Taverne direkt am Meer liegt. Und dann sitzt man also in Christinas Café, das Baby schläft im Buggy, man schlürft eiskalten Fruchtcocktail, die 50er-Jahre-Italo-Western-Musik dudelt vor sich hin, man schaut auf die schaukelnden Boote und die kleinen Fische, die im glasklaren Wasser schwimmen, Coco pfeift den vorbeilaufenden Urlaubern hinterher und in etwa 5 Minuten wird Pierce Brosnan mit wehendem Haar auf seinem Motorboot in die Bucht fahren, um die Hochzeit seiner Tochter vorzubereiten. Ganz bestimmt…

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Uschi auf Kreta: 10 Dinge, die ich an Kreta liebe (und 5 Dinge, die mich persönlich ein wenig nerven)

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Heute gibt von mir mal eine Liste, und zwar komplett subjektiv und durch meine ganz eigene Brille gesehen! Wie man es ja immer so schön gelernt hat, wird mit dem Positiven angefangen.

Hier die 10 Dinge, die ich an Kreta liebe:

1. Der Frühling und mit ihm die vielen wunderschönen Blumen, die wilden Kräuter und das saftige Grün der Berge. Bevor ich auf Kreta war, hätte ich das nie von einer Insel so weit im Süden erwartet.

2. Die Oliven. Als ich vor 3 Jahren Kreta kennen lernte, stellte ich mir eine persönliche Herausforderung. Ich wollte Oliven mögen. Das war bis dahin nämlich nicht der Fall. Und es ist mir gelungen, ganz langsam, Olive für Olive, und plötzlich haben sie mir geschmeckt . Und das, obwohl sie hier überall anders sind. Groß, klein, schwarz, grün, verschrumpelt, saftig, ölig, trocken, mild, aromatisch. Eine Gemeinsamkeit haben sie jedoch alle: sie schmecken nach Sonne.

3. Das Meer. So klar, weil es fast nur Steinstrände gibt. So kalt, weil die eisigen Gebirgsquellen hineinströmen. So blau, blau, blau.

4. Die Kinderfreundlichkeit. Ich hatte mich insgeheim schon darauf gefreut, denn der Ruf eilte voraus. Das was wir hier erleben, geht dann aber doch weiter als jede unserer Erwartungen. Egal ob junger Teenager, alte Omi, die Kassiererin im Supermarkt oder der Schnösel mit Designersonnenbrille – Augustinchen wird im Vorbeigehen der Kopf getätschelt, sie wird auf den Arm genommen, abgeküsst, geknuddelt und gekitzelt. Wir lieben es.

5. Frappé – trinken wir zuhause nie. Hier gehört er einfach dazu. Eiskalter Kaffee mit Milch und Zucker und so einem leckerem Schaum oben drauf.

6. Die Ziegen. Oh, wie ich sie liebe. Ziegen gibt es hier überall. Sie suchen sich ihr Futter recht selbstbestimmt und manchmal auch in luftigen Höhen. Das stetige Rufen und Mähen und Bimmeln (manche tragen Glöckchen) gibt einem selbst beim einsamen Wandern das Gefühl, man sei nicht alleine.

7. Alles bleibt so wie es ist. Ja, Veränderung ist ja an und für sich gut. Aber ist es nicht schön, an einen geliebten Ort zurückzukehren und alles so vorzufinden, wie man es aus dem letzten Urlaub in Erinnerung hat? Keine Bettenburgen, die die Landschaft verunstalten, die gleichen Wildcamping-Bereiche wie vor 10 Jahren, und noch immer führt Lucky das Alpha Café in Azogires.

8. Der Umgang mit Geld. Ohne jetzt eine Diskussion über den Euro-Rettungsfond starten zu wollen, mag ich die entspannte Einstellung, die die Kreter zum Geld haben. Sie könnten viel mehr verlangen, wenn sie wollten. Machen sie aber nicht. Nehmen wir den Strand von Elafonisi als Beispiel – ganze Busse voller Touristen strömen zu dem Südseestrand-ähnlichen Ausflugsziel – eine kleine Insel, die man zu Fuß über eine Sandbank erreichen kann. Rosa-weißer Sand, türkises Wasser – und ein riesiger Parkplatz, auf dem man umsonst parken kann. Einerseits kann man nicht verstehen, warum die Gemeinde das hier nicht als Einnahmequelle sieht. Aber andererseits ist es doch eine tolle Einstellung, NATUR frei zu lassen und mit allen zu teilen, oder? Und wenn an der Kasse das Kleingeld nicht reicht, wird dann einfach mal abgewunken und abgerundet. Wo gibt’s denn sowas?

9. Der Abschiedsgruß aus der Küche. In jeder guten Taverne gibt es zur Rechnung einen Raki und etwas kleines Süßes, z.B. leckeren Grießkuchen (den ich unbedingt mal zuhause machen werden, hier habe ich ein leckeres Rezept gefunden).

10. Die gelassene no-worries-Mentalität der Griechen – fast schon ein bisschen australisch hier.

Ja, irgendwas ist ja immer – die folgenden Dinge nerven mich persönlich einfach ein wenig:

1. In Tavernen und Kafenios wird häufig geraucht – egal ob man gerade isst, oder sein Baby mit Babybrei füttert. Also, am besten immer draußen sitzen und sich an kühlen Tage dann einfach wärmer anziehen.

2. Man wird gebeten, dass Klopapier nach Gebrauch nicht ins Klo zu werfen, sondern in den Abfalleimer. Schuld daran sind wohl die zu engen Abwasserrohre. Iiiiihhhh!

3. Irgendetwas suchen und es dann auch finden – sei es ein Wanderweg, eine Sehenswürdigkeit oder was auch immer – wir denken da irgendwie anders und haben unsere Probleme mit den Schildern und Wegweisern, wenn es denn welche gibt.

4. Bei den meisten Lebensmitteln sind die Zutaten auch in Englisch angegeben – nur bei der Babynahrung leider nicht. Nachdem ich eine gefühlte halbe Stunde nach Getreidebreiflocken ohne zusätzlichem Zucker gesucht habe, aber ja leider die griechische Schrift nicht lesen kann, landeten dann schließlich die guten alten Haferflocken im Einkaufskorb. Auch Gemüsebreie haben wir aus gleichem Grund selber gekocht, auch wenn es praktisch gewesen wäre, mal schnell ein Gläschen für unterwegs einzupacken. Oder man fragt einfach den Supermarktverkäufer seines Vertrauens und hofft auf Dolmetscherqualitäten – dafür war ich aber zu schüchtern, hihi.

5. Das schlechte Gefühl, jede Sorte von Müll in ein und dieselbe Tonne zu werfen. Plastikflaschen zusammen mit vollgekackten Windeln, Pappe zusammen mit Bioabfällen. Und dann die ganzen kleinen Plastiküten aus dem Supermarkt, beim Bäcker, beim Obstmann. Wobei, die haben wir dann zumindest zum Verpacken der Kackwindeln verwertet.

Wer noch mehr über Kreta wissen will, kann auch gerne mal im Kreta-Blog nachlesen, die uns doch – wie toll ist das denn – als Sonntagslektüre empfohlen haben. Freude! Außerdem wunderschön ist der Blog von Anna, die mit hübschen Bildern aus Chania berichtet. Insider-Wandertipps holen wir uns übrigens von Bobs Blog.

Adieu und bis bald,

Eure Uschi

Der Wegweiser nach Azogires, der uns leider an der Nase herumgeführt hat.

Der Wegweiser nach Azogires, der uns leider an der Nase herumgeführt hat.

Sie wachsen, die kleinen Mini-Oliven!

Sie wachsen, die kleinen Mini-Oliven!

Wer findet die Ziegen?

Wer findet die Ziegen?

Augustinchen sitzt am Meer und spielt mit Steinen.

Augustinchen sitzt am Meer und spielt mit Steinen.

Wilde Blumen am Wegesrand...hach....

Wilde Blumen am Wegesrand…hach….

 

 

 

 

 

Uschi auf Kreta: Avocadosalat á la Anidri

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In unserem Dörfchen Anidri gibt es nicht viel – ein paar Häuser ober- und unterhalb der Bergstraße, eine Kirche, und natürlich Ziegen und Schafe. Wer etwas kaufen will, muss in den 5 Kilometer entfernten Ort Paleochora. Also nicht wirklich viel los hier. Und doch, solltet ihr mal auf Kreta sein, macht einen Abstecher nach Anidri und esst etwas im Kafenio Sto Scholio! Läuft man die einzige Straße des Dorfes entlang, kommt man am Café-eigenen Gemüsegarten vorbei und kann sich schon mal schön Appetit auf ’nen knackigen Salat holen. Die Besitzer haben für ihr Kafenio die alte Dorfschule umgebaut – drinnen ein gemütlicher schummriger Raum mit alten Bildern und Schulheften an den Wänden und draußen kleine Tische unter einem riesigen alten Olivenbaum, dessen Krone die gesamte Terrasse überdacht und Schatten spendet. Und dann die Aussicht…hach…

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Doch das alles ist nur Beiwerk, denn das Essen ist aber mal so richtig lecker. In seiner ganzen Einfachheit. Der Junomann bestellt immer das, was gerade im Ofen ist. Also Fleisch. Ganz einfach mit Reis oder Kartoffeln. Bei mir gibt es immer was aus dem Gemüsegarten. Mit ganz viel Aroma, Sonne und Liebe. Letztens habe ich Avocado-Salat bestellt – und der war so lecker, dass wir den doch heute mal schnell selbst geschnippelt haben.

Dafür haben wir folgendes für 2 Personen gebraucht:

– einen halben Kopfsalat (z.B. Lollo Rosso)
– zwei Möhren, mit dem Kartoffelschäler in feine Streifen geschnitten
– eine Avocado, gewürfelt
– eine halbe Zwiebel, in Ringe geschnitten
– Walnüsse zum Bestreuen

Für das Dressing
– 8 EL Olivenöl
– 4 EL Balsamico
– 1 Teelöffel Zucker
– mit Pfeffer und Salz abschmecken

Mmmmmhhhhh…

Adieu und bis bald,

Eure Uschi

P.S. Im besagten Dorfcafé machen die auch total leckere, obersaftige, schokoladige Brownies – sollte ich das Rezept rausbekommen, werde ich es natürlich hier mit euch teilen!




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12 von 12 (Mai 2014)

Heute gibt es mal statt vieler Worte ein paar Bilder. Um genau zu sein – 12 . Weil nämlich heute der 12. Mai ist. Das hab ich mir nicht ausgedacht, sondern Chad Darnell, und die Caro von Draußen nur Kännchen führt dieses Fotoprojekt nun weiter. Bei dem ganz viele liebe Blogger bereits mitmachen und ihren Tag in Bildern schildern – und wir jetzt also auch! Und wie praktisch ist das denn, mit `12von12` im Urlaub anzufangen? Da hat man ja wenigstens was zum knipsen. Später wird’s dann vielleicht schwieriger – aber hab schon mit Regina rumgealbert, dass wir dann einfach 7 Fotos am 7. knipsen. Oder so.

Nun aber los!

Heute morgen unser Frühstück auf der Terasse – Eierkuchen mit Nutella und Banane…mmmhhh…

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Dann verlassen wir unser kleines Dörfchen und fahren in den nächsten Ort…

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…zum Wäsche waschen! Waschsalons fetzen ja irgendwie.

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Während die Spucktücher und Babybodys ihre Runden drehen, trinken wir ’n Käffchen…

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…unser Baby sitzt in der Zeit am Nachbartisch und wird von jungen Griechinnen abgeknutscht. Scheint hier ganz normal zu sein. Und Augustinchen gefällt’s auch.

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Die Plastiktüte mit dem mitgebrachten Waschpulver ist aufgegangen. Deswegen gibt es ein relativ unfreiwilliges Bild von „What’s in my bag?“. Haha. Lustig. Nicht.

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Wir schlendern durch den Ort und gucken Häuser…

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…kaufen Postkarten…

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…und entdecken diese schöne Wanddeko in einem Café.

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Nach kurzem Mittagsschläfchen und kleinem Snack geht’s runter an den Strand…

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…zum Faulenzen in der Hängematte.

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Wieder zurück, serviert der Junomann lecker Reste!

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Das war unser erstes 12 von 12! Vielleicht ja nächsten Monat wieder. Und hier geht’s zu den anderen ’12von12′-Beiträgen!

Adieu und bis bald,

Eure Uschi











Uschi auf Kreta: Über Souvenirs und kleine Perlen

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Müßiggang. Wenn’s hoch kommt mal die Schlucht zum Meer runterwandern oder zum Supermarkt in den nächsten Ort fahren, ansonsten eigentlich nur auf das Meer gucken, tief durchatmen und Augustinchen davon abhalten, die schönen Blümchen vom Ferienhausvermieter auszurupfen. Ganz einfach griechischen Salat essen und mit Weißbrot das leckere Olivenöl aufsaugen, dass von irgendeinem Olivenbaum aus der Nähe kommt. Bestimmt. Dann aber packt mich etwas und ich sage zum Junomann: „Ich will mal in eine Stadt! So`n bißchen schlendern.“

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Also geht es an die Nordküste, in das Hafenstädtchen Chania. Da gibt es einen Leuchtturm, eine alte Moschee aus osmanischen Zeiten, einen wunderschönen venezianischen Hafen, enge Gässchen, Reisebusse voller Touristen, Restaurants an jeder Ecke mit jemanden, der den Vorbeikommenden eifrig winkt und und dabei sagt: „Come and eat here, it’s very beautiful, you can ask everyone in town!“ und natürlich, einer Menge Souvenir-Shops. Diese typische Massenware, die einen vergessen lässt, wo und auf welchem Kontinent man denn eigentlich ist – kleine Läden vollgestopft mit Handyhüllen, nachgemachten Designersonnenbrillen, Schlüsselanhänger mit hölzernem Phallussymbol, quietschbunte Strandtücher, Perlen-Armbänder und dann natürlich ganz viele T-Shirts mit Sprüchen wie „Meine Tante war auf Kreta und hat mir dieses T-Shirt mitgebracht!“, am besten noch mit so 90er-Jahre-Fransen. Doch plötzlich kommen wir an einem Laden vorbei, der nicht vollgestopft ist mit Krimskrams. Weiße Fensterrahmen, Blumenkästen, ein paar schlichte gestreifte Strandtaschen, die am Eingang hängen. Drinnen weiße Dielen, ein paar nackte Glühbirnen in der Mitte des Raumes, es ist aufgeräumt und hell und das Konzept ganz einfach – es gibt T-Shirts, Tassen, Notizbücher, Kerzenständer und Strandtaschen, alles in gedeckten Farben und mit immer wiederkehrenden Motiven und jedes erzählt eine Geschichte Chanias. Die Dockyards, die alte Moschee, die kretische Lyra, das Stadbild Chanias, der Leuchtturm. Und auf jedem kleinen, feinen Teil der kryptische Code CA35°31’N24°01’EA. Canea, das ist der venezianische Name für Chania, naja, und dann halt die geographischen Koordinaten (latitude: 35°31’North – longtitude: 24°01’EA). Und das weiß ich jetzt aber auch nur, weil es zu jedem Souvenir so ein kleines Zettelchen gibt, wo dann ganz viel Wissenswertes drauf steht. Da kann man den Daheimgebliebenen was mitbringen und dann auch noch so richtig schön klugkackern. Naja, lange Rede, kurzer Sinn, der Laden gefiel mir so gut, da musste ich dann natürlich ’n bisl was mitnehmen (nur zwei kleine Bücher und was für Augustinchens kleinen Freunde, auch wenn ich mich jetzt ärgere, nicht eine der Taschen mit eingesackt zu haben). Irgendwie doch schön, diese kleinen Perlen zu entdecken, die es dann einfach mal ein bisschen anders machen als alle anderen, oder?

Adieu und bis bald,
Eure Uschi

P.S.: Im Internet habe ich nur eine Tumblr-Seite mit Fotos und den Pinterest-Account gefunden, leider kann man sich die tollen Taschen nicht online bestellen. Dann muss ich wohl noch mal hin…

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Uschi auf Kreta: Ankommen

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Nur mal so vorweg – ich hatte doch vor einer Weile diese Aktion mit den #100happydays entdeckt und mich dabei gefragt, ob denn das Glück im Urlaub wirklich größer sei als das im Alltag beim Genuss der kleinen Dinge. Nach Betrachtung der letzten 40 Tage zuhause und der 4 Tage hier auf Kreta kann ich nur antworten – JA! Das soll nicht heißen, das ich zuhause irgendwie unzufrieden bin, im Gegenteil! Ich genieße meine Elternzeit, die Spaziergänge mit den anderen Mamas, meine Erdbeersmoothies auf dem Balkon, die Sonntagabende mit dem Junomann, pizzaessend und Tatort guckend, die zeitraubende WhatsApp-Kommunikation mit Regina, die Wochenenden bei den Eltern im Garten, und natürlich Augustinchen in allem was sie tut, aber hier ist alles irgendwie noch schöner…sonniger…intensiver…

Der Junomann und ich lieben das Reisen, schon bevor wir uns kannten und dann gemeinsam, schließlich haben wir uns beim Reisen kennengelernt. Das Reisen gehört also zu uns, und wir wussten auch von Anfang an – unser Kind muss dann halt einfach mit. Ein paar Eingeständnisse haben wir dann vorher schon gemacht, nichts da mit alle 3 Tage weiterfahren, rastlos sein, so viel wie möglich sehen, Berge erklimmen, baden, alte Burgen besichtigen und das alles am liebsten an einem Tag. Also entschieden wir uns diesmal für eine Ferienwohnung und gaaaaanz viel Zeit, um bloß keine Hektik aufkommen zu lassen. Einfach mal für ein paar Wochen woanders leben, wo die Sonne öfter scheint und die Luft besser riecht. Unsere Wahl fiel dann auf Kreta, Junomanns Lieblingsinsel, die wir vor ein paar Jahren auch schon gemeinsam bereist hatten und die Fleckchen kannten, wo man es auch länger aushält.

Und trotz dieser Eingeständnisse und intensiver Überlegungen, was mit Baby geht und was nicht, ist das Reisen mit Kind doch komplett anders. Erstmal das packen – unser Flieger ging am späten Nachmittag, naja, reicht ja, wenn wir dann am Vormittag packen. Mmmmhhh…nein! Trotz meiner Checkliste (seit Jahren hatte ich keine Checkliste mehr beim Packen) hatte ich ganz schön zu tun, bis zur Ankunft des Taxis alles zu verstauen, auch weil das Baby zwischendurch ja noch gefüttert werden will, Hilfe beim Einschlafen braucht oder sich die Nase am Wohnzimmertisch aufkratzt. Und die 60kg (‚Wow, so viel!‘), die uns die Airline zu dritt erlaubte, waren dank Spucktücher und Babybrei für die ersten Tage ganz plötzlich erreicht (‚Huch!‘).

Dann der Flug – wird Augustinchen Ohrenschmerzen beim Start bekommen? Ist sie wirklich sicher auf meinem Schoß mit diesem komischen schlappigen Extra-Gurt, der provisorisch an meinem angebracht ist? Wird sie die ganze Zeit heulen? Werden die anderen Mitreisenden uns mit ihren Blicken strafen? Im Nachhinein betrachtet war das wirklich entspannt. Der Druckausgleich hat ihr keine Probleme gemacht, nach der Empfehlung des Kinderarztes haben wir ihr vor dem Start prophylaktisch ein paar Nasentropfen eingetröpfelt und ihr dann immer schön Wasser zu trinken gegeben. Irgendwann fand sie es dann langweilig auf meinem Schoß, aber der kleine Junge vor uns spielte mit ihr Verstecken, was sie sehr lustig fand. Und wenn die Schnabeltasse oder das Holzauto herunterfielen, konnte ich gar nicht so schnell gucken und irgendjemand aus den umliegenden Sitzen hatte sich bereits gebückt. Auch unerwartet – der Flug verging trotz Verspätung auf diese Weise total schnell und schon bald verließen wir den Flieger auf der Gangway, sammelten schnell Buggy und Kindersitz ein, Wickeltasche und Handgepäck umgeschwungen und rein in den Transferbus. Dann weiter zum Gepäckband, Menschenmassen, herumspringende Kinder, Männer, die mit Scannerblick die Koffer an sich vorbeifahren lassen, um plötzlich hastig ans Band zu springen und mittendrin Klein-Augustinchen in ihrem Buggy – am schlafen. Puhhh!

Dann verging noch mal eine halbe Ewigkeit, bis wir endlich in unseren Mietwagen steigen konnten – es war inzwischen 23 Uhr und wir hatten noch eine zweistündige Autofahrt in den Südwesten der Insel vor uns. Doch das Baby schlief im Kindersitz artig weiter und wir fuhren auf den dunklen Serpentinen durch die Berge, die Gipfel konnte man nur erahnen. Unserem Ziel immer näher kommend, wurden die Straßen immer enger und holpriger und als wir schon dachten, wir hätten uns verfahren, erreichten wir das Tor zu unserer Ferienwohnung. Wir folgten einem schmalen Weg bergab, der von kleinen Gartensolarlichtern markiert war und dann erkannten wir unsere Wohnung, die wir uns in Vorfreude schon so oft im Internet angeguckt hatten. Doch zum Bestaunen waren wir viel zu müde. Beim Einschlafen fiel mir dann eine Passage aus „Eat Pray Love“ von Elizabeth Gilbert ein, in der sie schreibt, dass sie gerne nachts an einem fremden Ort ankommt, weil sie dann am Morgen irgendwie schon ein Teil davon ist (so oder so ähnlich, ist schon eine Weile her, als ich das gelesen habe). Nun, so ging es mir dann auch, als ich am nächsten Morgen von unserer Terasse aufs Meer blickte, die frische Luft einatmete und so bei mir dachte: „Also, das ist ja mal ein happy day!“

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