Über Hochzeiten und Trau(m)zeuginnen

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Heute vor zwei Jahren habe ich meinen Junomann geheiratet. Es war ein unvergesslicher Tag voller Liebe, Sonnenschein, glücklicher Gesichter, Zitronenlimo und Lavendelduft! Aber dieser Eintrag hier soll keine Liebeserklärung an meinen wundervollen Junomann sein – die mache ich ihm dann doch lieber persönlich. Nein, heute möchte ich zur Feier des Tages allen Trauzeuginnen und Brautjungfern und Schwestern und Müttern und besten Freundinnen da draußen danken – dass sie uns Bräute ertragen und mit so viel Liebe und Sorgfalt so viele wunderschöne Hochzeiten vorbereiten.

Damals durchforstete ich das Internet und unzählige Hochzeitsblogs und nach einer Weile und ganz vielen Abnickern durch den Junomann formte sich unsere Traumhochzeit zu einem Bild: Es sollte ein Sommerfest werden, locker und ungezwungen, mit selbstgebackenem Kuchen, die Trauung in einer kleinen Dorfkirche, Blümchenkleidern, selbstgepflückten Wiesenblumen, alten Porzellankännchen, einer Wäschleine mit Nachthemden und weißer Bettwäsche, Lampions, einer Schreibmaschine, leckeren Dingen vom Grill und einer Picknickdecke unter einem Baum, auf der man sich auch mal ausstrecken kann. Ganz viele Kleinigkeiten, die organisiert werden sollten und all das wäre ohne unsere lieben Freunde und unsere Familie nicht möglich gewesen. Aber die größte Rolle spielten dann doch die Frauen – meine Mutter und meine Schwester beim Anpassen meines Hochzeitskleids, meine Schwägerinnen beim Backen unzähliger leckerer Kuchen in unserer Küche, meine Schwiegermutter beim Pflücken der vielen bunten Blumen aus ihrem Garten und dann natürlich REGINA, meine Trauzeugin, die uns bei…ähm…allem half. Und jetzt ein Appell an alle da draußen, die gerade eine Hochzeit planen. Nehmt eure Trauzeugin mit ins Boot! Die Vorbereitungen haben uns so zusammengeschweißt und noch 2 Jahre später erzählen wir uns die vielen Momente, in denen wir zusammen gelacht haben, ob aus Freude oder Verzweiflung. Eine Woche, in der wir gemeinsam 80 bunte Stoffservietten umsäumten, Namensschilder schrieben, Lavendelkissen für die Gäste stopften, das Wohnzimmer in ein Lager voller Kaffeekannen, Windlichter, Vasen und Flaschen verwandelten. Ein Tag vor der Hochzeit, als die ersten Gäste eintrafen und mir die Luft in der Wohnung zu eng wurde vor lauter Blumen, Strohhüten und ausgepressten Zitronen, und da flohen wir beide, saßen im Auto, atmeten die Juniluft ein und Regina kramte eine CD aus ihrer Tasche und es kam dieses Lied hier aus den Lautsprechern…und noch heute muss ich an unsere gemeinsame Autofahrt denken, als wir in irgendein Dorf zu einem Blumenladen fuhren, um Lavendel zu kaufen, so viel Lavendel, ein ganzer Busch, und als wir vorsichtig fragten, wieviel das denn nun kosten solle und uns die Blumenverkäuferin in tiefstem Sächsich mit „Na, mochn woa 5 Euro!“, da grinsten wir uns ungläubig an.

Und dann kam der große Tag – mein Wunsch war es, meine „Frauen“ morgens um mich zu haben, so wie es immer in den Filmen ist, wo die Braut zurechtgemacht wird. Und dann hatte ich mir noch gewünscht, von Regina in ihrem grünen Smart namens Fred zur Kirche gefahren zu werden. Wir hatten uns schon Monate vorher ausgemalt, wie wir Fred schmücken würden. Und alles kam so, wie ich es mir wünschte. Während ich vormittags beim Friseur saß, verteilte Regina noch fleißig Vasen und Servietten und hängte Wimpelketten auf. Meine Mutter und meine Schwester halfen mir beim Anziehen des Brautkleides, meine Schwägerin fing an Regina die Haare zu machen, als plötzlich Panik ausbrach und auf einmal alle los mussten. Und da saßen wir beide also, Uschi und Regina, in einer chaotischen Wohnung, noch eine Stunde bis zur Trauung, Uschi im Brautkleid und Regina mit halbgemachten Haaren. Und dann frisierte ich meiner allerliebsten Trauzeugin also die Haare, ich toupierte und hantierte mit dem Lockenstab, während Regina sich schminkte. Und dann wurde es Zeit, wir schnappten uns den gepunkteten Regenschirm, den ich Monate vorher für diesen Tag gekauft hatte und den ich später im Auto vergessen sollte, das lavendelfarbene Handtäschchen, das kleine selbstgemachte Sträußchen zum Anstecken für den Junomann, die Kränze für die Blumenmädchen, den Plastikbecher mit Cents, die der Junomann schmeißen wollte und vergessen hatte mitzunehmen, die Handtasche von Regina…bis mir einfiel, dass ja vor lauter Stress heute noch niemand die Katzen gefüttert hatte. „Halt mal“ sagte ich, und stülpte Regina die Blumenkränze und den Regenschirm über, stöckelte zu den Katzennäpfen und versuchte, mein Kleid nicht mit Stinke-Katzenfutter zu beschmutzen. Und dann diese Situation, als ich die Wohnungstür abschließ und lachend sagte, dass ich im Film noch nie eine Braut gesehen hätte, die auf dem Weg zur Kirche die Wohnungstür hinter sich abschließt. Und warum wir denn eigentlich alleine sind? Es sind diese Minuten im Leben, die wie Sekunden vergehen, aber die man nie wieder vergessen wird. Genauso wie die Fahrt zur Kirche – aus den Lautsprechern dröhnte John Butler Trio und Jose Gonzales, wir waren ruhig, so aufgeregt-ruhig, und als wir von der Autobahn runterfuhren, hielt Regina am Straßenrand und wir zogen Fred den Schleier an. Genauso hatte ich es mir vorgestellt, so und nicht anders, die Zeit vorher, die Woche vorher, den Tag vorher, die Fahrt vorher. Bis zu dem Zeitpunkt, als ich glücklich meinem Junomann sein Ansteckksträußchen entgegenreichte.

Danke Regina!

P.S. Mein Rechtschreibprogramm unterstreicht mir hier Trauzeugin in rot und schlägt stattdessen Traumzeugin vor. Es hat ja so recht!

Uschi mit Ansteckblümchen für den Junomann, im Hintergrund Fred

Uschi mit Ansteckblümchen für den Junomann, im Hintergrund Fred mit Schleier.

Für jeden Gast gab es ein Lavendelkissen, von deren Produktion ich meine fleißige Regina nicht abhalten konnte. "Du bist doch verrückt!"

Für jeden Gast gab es ein Lavendelkissen, von deren Produktion ich meine fleißige Regina nicht abhalten konnte. „Du bist doch verrückt!“

Die Milch in Milchfläschchen, der Kaffee in Omis alter Kaffeekanne.

Die Milch in Milchfläschchen, der Kaffee in Omis alter Kaffeekanne.

Es gab selbstgemachte Zitronenlimo, mmhhhhh...

Es gab selbstgemachte Zitronenlimo, mmhhhhh…

Picknickdecke zum

Im Hintergrund die Picknickdecke zum Chillen.

Unsere Sommerparty mit Wimpelkette und Wildblumen, im Hintergrund der Gästebuchschreibtisch.

Unsere Sommerparty mit Wimpelkette und Wildblumen, im Hintergrund der Gästebuchschreibtisch.

Unser Wegweiser, selbstgemacht von meinem Bruder.

Der obligatorische Wegweiser mit unseren happy places, selbstgemacht von meinem kleinen Bruder.

Windlichter aus Butterbrottüten, mit den Hochzeitsfotos unserer Gäste.

Windlichter aus Butterbrottüten, mit den Hochzeitsfotos unserer Gäste.

 

Vielen Dank an unsere Fotografen Thomas, Kai und Ralf!

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7 Gedanken zu “Über Hochzeiten und Trau(m)zeuginnen

  1. Hach und seufz :-)…. Schöne Bilder. Als wäre es gestern gewesen hast du jeden Tag den Wetterbericht im Büro gecheckt…

  2. Haaaach, war das schöhöön! Genauso traumhaft, romantisch, verspielt, sommerlich und locker wie ihr es euch vorgestellt habt. Schwelge auch gerade in Erinnerungen und die unzähligen Gespräche, Beratungen, Auswertungen, *ich zeig’s dir mal im Internet* Tage im Büro (natürlich nur in der Pause, für alle, die nicht dabei waren:p ). Und dieses Schuh-Thema…

  3. du bist so lieb! DANKE! gern geschehn! und ich würde auch sagen „jederzeit wieder“, aber in diesem Fall is dit ja nich so anjebracht, ne!? 😉

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