Reisen mit Baby – was wir in Sachen Fliegen, Strand und Wandern alles dazugelernt haben

Babyonboard_airplane

Kennt ihr diese Sprüche wie „Genießt euren Urlaub zu zweit, bevor dann das Baby kommt!“ und „Mit einem Baby verändert sich alles!“ oder „…und dann waren wir in einem Familienclub, wo man die Kinder abgeben konnte, total toll!“ Und man lächelt und nickt und fragt sich, wird sich auch bei uns was ändern? Und was jetzt eigentlich konkret? Warum genau kann man denn eigentlich nicht mehr so reisen wie früher?

Ich hatte das Thema ja vor ein paar Wochen schon mal angeschnitten (klick) und erzählt, dass wir uns in unserer Reiseplanung schon ein wenig angepasst hatten. Aber im Grunde war der Plan ja der, unser Ding durchzuziehen, nur dann halt mit Baby. Und ich muss zugeben, ja, so gewisse Sachen sind einfach anders… hier habe ich einfach mal kurz meine Beobachtungen und „wieder was gelernt“-Erfahrungen für euch zusammen  gefasst.

Koffer packen

Unsere Airline erlaubte uns 20kg pro Person, also, Augustinchen zählte hier auch als Person, obwohl sie als Baby unter 2 Jahre noch keinen Sitzplatzanspuch hatte. Das heißt, wir durften 60 kg inklusive Kindersitz und Buggy als Sperrgepäck mitnehmen. Klingt viel. Ist auch viel. Braucht man aber auch. Weil so ein Baby sich ja ständig vollspuckt, nasssabbert usw. nimmt man doch den ganzen Stapel Bodys und Spucktücher mit. Sicher ist sicher. Falsch gepackt habe ich trotzdem. So voller Sommervorfreude hatte ich ganz viele kurze Hosen und so niedliche kurzärmelige Einteiler eingepackt. Letztendlich habe ich Augustinchen aber am liebsten Baumwollleggins und dünne langärmelige Blusen angezogen, ganz einfach, weil das am besten zum Krabbeln war und außerdem vor der Sonne schützte. Achja, und ich hatte viel zu viel Spielzeug dabei – am liebsten hat das Baby nämlich mit Ameisen, Steinen und einer Schale voll Wasser gespielt. Als ganz praktisch hat sich allerdings ein Bilderbuch mit Tieren erwiesen, dass uns so manchen Abend im Restaurant gerettet hat.

Security Check

Was hier auch nicht unerwähnt bleiben soll zum Thema „Na, aber was ist denn jetzt so anders beim Reisen mit Kind?“ ist der Security Check. Also, man stelle sie sich vor, der Junomann, die Uschi und das Baby, wobei die ersteren Wanderbotten anhaben, weil die Schuhe ja so viel wiegen und nicht mehr in den Koffer passten. Und dann noch ein Buggy, eine Wickeltasche, Uschis Handtasche, Junomanns Rucksack, achja, und zusätzlich so ein Handgepäckkoffer auf Rollen,den wir unauffällig mit durchwurschtelten, weil wir…ja…ich erwähnte es, keinen Platz mehr in unseren Koffern hatten. Der Junomann fängt also an, kleines Köfferchen auf’s Band, Gürtel aus, Laptop aus dem Rucksack kramen und in die Wanne legen, den Buggy zusammenklappen und auf ´s Band legen…durch den Metalldetektor laufen und natürlich wegen der Wanderbotten piepen, diese also ausziehen (das sind so ganz fiese, mit mehreren Ösen, wo man die Schnürsenkel kreuzen muss) und noch einmal durchlaufen. Parallel dazu die Uschi, wie sie das Baby aus dem Buggy nimmt, die Handtasche auf’s Band packt, darin die halbvolle Wasserflasche entdeckt, versucht, diese in wenigen Schlucken zu leeren, es nicht schafft und dem Junomann hinhält, der gerade seinen ersten Gang durch den Metalldetektor plant, dann die Wickeltasche auf das Band legt, die durchsichtige Tasche mit den Babycremes, die Schnabeltasse (gefüllt mit Wasser, ja, diesmal ist es ungefährliches Wasser) und ein Gläschen Babybrei herauskramt und in die Wanne legt, alles einarmig, weil ja das Baby getragen wird, dann durch den Metalldetektor läuft, trotz Wanderbotten NICHT piept, haha, und dann darauf wartet, dass der Junomann seine Schuhe wiederzuschnürt, da sie einarmig den Buggy nicht wiederaufklappen kann, der mit all dem anderen Handgepäck aufgereiht das Band belegt und verhindert, dass das Gepäck der nachfolgenden Gäste geröntgt wird, die schon ganz genervt gucken. So, und wer danach nicht schwitzt, der kriegt von mir ’ne Limo ausgegeben! Aber hallo!

Fliegen

Das war ja eigentlich so meine größte Sorge. Wird mein Kind schreckliche Ohrenschmerzen haben? Und vor allem, wie sicher ist es, auf dem Schoß mitzufliegen? Nun, zum Thema Ohrenschmerzen und Druckausgleich hatte ich ja schon in meinem anderen Beitrag geschrieben, dass das unproblematisch war. Augustinchen hatte auf keine Weise gezeigt, dass ihr etwas weh tat, sie hat immer brav ihr Wasser getrunken und sich ablenken lassen. Das kann natürlich von Kind zu Kind anders sein, aber ehrlich gesagt habe ich auch von meinen Freundinnen, die mit ihren Babys geflogen sind, noch keine Horrorgeschichten diesbezüglich gehört.

Das mit dem Anschnallen war die andere Sache. Man bekommt also im Flugzeug einen Babygurt, der mit einer Schlaufe am eigenen Gurt (Loop-Belt) befestigt wird und damit wird das Kind dann angeschnallt. Sicher ist das Ganze damit aber leider nicht. Beim starken Bremsen bei Start- und Landung kann es sogar zu Quetschungen und inneren Verletzungen kommen. Eine Alternative wäre es, einen zusätzlichen Sitz zu buchen und das Kind in mitgebrachter Babyschale anzuschnallen. Dann bezahlt man aber nicht mehr die 10%, sondern den vollen Flugpreis, außerdem ist nicht jeder Kindersitz zugelassen. Puh… Eine Freundin gab mir den Tipp, die Babyschale mitzunehmen und dann darauf zu hoffen, dass eventuell ein zusätzlicher Platz frei sei und die Airline aus Kolanzgründen erlauben würde, das Baby in der Babyschale auf dem freien Platz anzuschnallen. Wir riefen sogar einen Tag vorher bei der Airline an und erkundigten uns diesbezüglich, wo man uns auch freundlich mitteilte, dass es die Möglichkeit gäbe und wir am besten bei der Gepäckaufgabe einfach noch mal fragen sollte. Was wir dann auch taten und uns eine Dame mit heruntergezogenen Mundwinkeln mitteilte, das Baby hätte keine Anspruch auf einen Sitz. „Naja…das wissen wir ja…aber wir dachten…vielleicht…wäre es ja…möglich…“ Nee, unser Anliegen wurde leider abgeschmettert, der Kindersitz als Sperrgepäck aufgegeben und wir „sicherten“ Augustinchen mit dem Loop-Belt. Ging ja glücklicherweise alles gut. Auf dem Rückflug saßen wir sogar in der ersten Reihe und uns wurde ein Bettchen angeboten, welches nach dem Start an die Wand montiert wird. Und ich wollte es selbst kaum glauben, aber es wurde sogar genutzt! Augustinchen kuschelte sich in ihr Nestchen und schlief fast den kompletten Flug. Gibt es aber leider nur für Kinder bis 11kg. Schade.

Strand und Sonne

Also, in unserem alten Leben, da ging man zum Strand, legte eine Decke in den Sand, guckte eine Weile auf’s Meer und wenn es dann irgendwann zu warm wurde, ging man gemeinsam ins Wasser und schwamm zur gelben Boje. Danach legte man sich nass auf das Handtuch, ließ sich von der Sonne trocknen und las dann ein weiteres Kapitel aus dem spannenden dänischen Krimi. So, und was ist jetzt mit Baby so anders? Man kommt also am Strand an und checkt erst mal die Lage. Wie steht die Sonne? Wo wird sie in einer Stunde stehen? Kommt der Wind aus Nordosten? Wird die Strandmuschel dem Wind stand halten? Wo gibt es Schatten? Spendet der Baum genügend Schatten oder sollte man sich einen Sonnenschirm mieten? Ja, ich weiß, das klingt furchtbar unentspannt und ich hätte auch nie gedacht, dass ich jemals so werde. Aber wer mit Baby am Strand sitzt und der Wind peitscht die Sandkörner in die zarte Babyhaut, der kauft sich eine spießige Strandmuschel. Und wer einmal bei knalliger Sonne in einer spießigen Strandmuschel sitzt, in der die Luft steht und das Baby quängelt, weil es schwitzt, aber nicht raus kann aus der Strandmuschel, weil der Sand so heiß ist an den Füßchen, der mietet sich einen Sonnenschirm. Achja, und zum Lesen bin ich leider auch nicht gekommen – spannender war es stattdessen, das Baby davon abzuhalten, Zigarettenkippen im Sand zu finden und diese in den Mund zu stecken. Und irgendwann, so beim dritten mal im Meer schwimmen, dachte ich mir, mmmhhh, irgendwas ist anders, es ist so langweilig irgendwie…bis mir einfiel, dass ich ja immer alleine im Wasser war. Klar, einer musste ja beim Baby sein. Das wurde aber alles wieder entschädigt von den kleinen Juchzern, die Augustinchen machte, wenn sie die Füßchen ins Wasser stecken konnte.

BabyamStrand
Wandern

Wir hatten keine spezielle Wandertragevorrichtung, sondern eine einfache Babytrage aus Stoff, mit der sich der Junomann Augustinchen auf den Rücken geschnallt hat. Das ging ganz gut, war nicht sperrig und für kurze Wanderungen hat es seinen Zweck erfüllt. Der Nachteil war aber, dass das Baby danach immer komplett nassgeschwitzt war – wollte man also eine Pause machen und der Kleinen die Gelegenheit geben, sich die „Beine zu vertreten“, musste man immer einen oder mehrere Wechselbodys in der Tasche haben. Außerdem hielt es Augustinchen nie länger als 2 Stunden in dem Teil aus, danach beschwerte sie sich lautstark und wollte wieder frei sein. Damit fielen natürlich viele Routen für uns flach. Auf der Suche nach einer kurzen Wanderung fuhren wir das eine Mal mit dem Auto in eine etwa eineinhalb Stunde entfernte Region. Im Nachhinein war das aber doch nicht so schlau, da die Kleine den ganzen Tag passiv erst im Auto und dann auf dem Rücken saß und abends total unausgeglichen war. Also, Wandern mit Baby ist machbar, man muss halt nur einschätzen können, bis wann es dem Kind auch Spaß macht. Wir liebäugeln jetzt übrigens doch mit einer richtigen Rückentrage – hier gibt es von Eltern.de ein paar im Vergleich.

So, das war sie, meine Zusammenfassung aus der Rublik „Nichts wird so sein wie vorher“-Reisen! Und auch wenn sich das jetzt vielleicht total stressig und kompliziert angehört hat – es war eine wunderschöne Erfahrung, mit unserem Baby zu verreisen und ich kann Euch nur empfehlen – tut es auch!

Wie seht ihr das? Habt ihr ähnliche Erfahrungen gemacht? Oder spart ihr euch den Stress und entspannt die ersten Jahre lieber im eigenen Garten? In dem Buch von Liz Fraser „Ich bin dann mal zwei“ heißt es übrigens zum Thema Reisen mit Kind: „Warnung: Eine Wahrheit sollten sie tief und fest in ihrem Gehirn verankern, ehe sie auch nur darüber denken, mit ihrem Baby zu verreisen: Sie gehen nicht in den Urlaub. Sie überleben nur eine Weile an einem anderen Ort.“ In diesem Sinne…

Adieu und bis bald,
Eure Uschi

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4 Gedanken zu “Reisen mit Baby – was wir in Sachen Fliegen, Strand und Wandern alles dazugelernt haben

  1. Wir sind immer gern gereist – aber wir hatten nie Bedenken, dass es mit Kindern nicht klappen könnte. Klar reist man an ders. So waren wir im Winter in Florida statt in Thailand – der besseren Hygiene und medizinischen Versorgung wegen. Aber wir sind so wie früher umhergreist mit Mietwagen und waren jeden Tag in einem anderen Hotel. Im Sommer gehen wit nach wie vor Campen in Schweden. Es klappt alles und unsere Kinder machen das Reisen super mit. Klar das Gepäck sieht anders aus.. Und man macht weniger an einem _Tag – steuert Spielplätze an statt Shopping. Aber es geht alles und ist sogar noch schöner, weil man alles langsamer und gemächlicher angeht und somit mehr von der Zeit hat. Ich kann nur allen empfehlen: Lasst euch auf das Abenteuer Urlaub mit Kind ein! Auch für die Kinder ist es toll!

    • Du sprichst mir aus dem Herzen, Nathalie! Und du hast recht, die Kinder sorgen für Entschleunigung, was den Urlaub sehr intensiv macht! Aber wir stoßen nicht immer auf Verständnis, manche meinen, die Kinder hätten nichts vom Reisen. Ich muss sagen, unsere Kleine war total entspannt und ausgeglichen, und das sicher, weil wir es waren. Glück färbt ab! 🙂

  2. Ich kenn das. Früher lag ich den ganzen Tag in der Sonne, war faul, hab gelesen oder einfach nur geschlafen. Jetzt ist es so, dass einer immer aufpassen muss und so richtig rumliegen und nichts tun, geht nicht mehr so gut. Das Kind will unterhalten werden 🙂

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